Ich war im Kino. Nicht in einem großen, nein. Wir haben hier ein Kino: "Klappe die Zweite", welches alternative Filme anbietet und sowas ist ja genau meins. Filme die zum Nachdenken anregen. So einen
Film habe ich mir angesehen.
„Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit“
Hauptdarsteller
ist ein Mann, er arbeitet für die Londoner Stadtverwaltung und sein
Aufgabengebiet umfasst die Ermittlung Angehöriger von einsam
Verstorbenen. Er möchte, dass eine Bezugsperson des Verstorbenen auf der Beerdigung erscheint.
Niemals ist dies aber der Fall. Immer ist nur er und der Pastor
anwesend. Mr. May ist ein ruhiger Mensch, sehr korrekt und fast schon
penibel. In seiner Mimik immer gleich gibt es außer seiner Arbeit nichts
in seinem Leben, auch er hat keine Familie und lebt für sich allein.
Der mit hängenden Mundwinkeln durch Leben gehende Mann vermittelt oft
den Eindruck dass er sich den Verstorbenen näher fühlt als den Lebenden.
Tagein, tagaus ist sein Leben immer durchgeplant. Er schaut, bevor er
über die Straße geht, fast schon wie ein kleines Kind ganz korrekt ob ja
kein Auto kommt. Beobachtet man ihn, wie er einen Apfel schält, so
könnte man gähnen….mit Langsamkeit und Genauigkeit schält er ihn an
einem Stück ab. Man gerät fast ins Schmunzeln. So wird er am Anfang
porträtiert. Im Laufe des Film sieht man, wie er ganz gewählt Dinge aus
der Wohnung des Verstobenen mit nimmt um sie als Inspiration für seine
Grabreden vor sich zu haben. Er sucht nach Schriftstücken und Fotos, die
ihm das Ermitteln von Angehörigen möglich machen. Meist bleibt seine
Suche erfolglos. Sind es doch einsame oder gescheiterte Menschen die in
ihren letzten Lebensjahren niemanden mehr an ihrer Seite hatten. Nur er gibt ihnen sein letztes Geleit.
Als ihm nach 22 Dienstjahren
sein Job gekündigt wird und er noch 3 Tage Zeit hat für die Ermittlung
seines "letzten Falls", kommt auf einmal Bewegung in den Film, in das Leben von Mr. May. Tatsächlich
hat man ihn in diesem Film nie lächelnd, schon gar nicht lachend
gesehen. Eine Begegnung mit einer Hinterbliebenen seines letzten
Verstorbenen zaubert ihm aber genau dieses Lächeln in sein Gesicht. Das
war so richtig wow für mich und ging unter die Haut. Völlig verändert
sah er dadurch aus. Seine letzten Ermittlungen über einen nicht gerade
sehr beliebten Zeitgenossen gehen gut voran. Irgendwie scheint sein
Leben in Schwung zu kommen, sofern man diesen Ausdruck überhaupt nutzen
kann. Zum Ende des Films hat man das Gefühl,
dass er endlich im wahren Leben, glücklichen Leben angekommen ist. Die
Begegnung mit der Hinterbliebenen seines letzten Falls tut ihm gut. Er
wird fast schon lässig und locker.
Es wäre kein Melodram wenn es gut ausgehen würde….
Wer gern alternative Filme mag, der ist mit diesem Film gut beraten. Ein leiser, ruhiger Film!!!
Wenn ihr auch Fans von solchen besonderen Filmen seid, dann her mit vielen Vorschlägen. Ich habe immer ein offenes Ohr dafür.
Hier von mir noch ein paar Tipps. Vielleicht kennt ihr ja den einen oder anderen Film.
Mein absoluter Lieblingsfilm ist "Winterreise". In der Hauptrolle Josef Bierbichler. Beeindrucken ist ebenso die Musik des Films, die CD steht in meinem Regal und wird regelmäßig gehört. Ein grandioser Schauspieler. Ein weiterer Film, den man unbedingt gesehen haben muss ist: "Das Leben der Anderen". Kennt ihr den Film "Rumba" - das ist schwarzer Humor vom feisten.
Wenn ihr Interesse habt, kann ich ja immer mal einen Filmtipp geben.
Schon jetzt einen guten Start in das nahende Wochenende wünscht euch
Stine




